16 06 29 BK GestaltungZum Abschluss des Schuljahres waren am Mittwoch, 29. Juni, Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Gestaltung und Technik der Städteregion Aachen zu Besuch im Grashaus, um sich über Europa und die EU zu informieren.

Das Team des EUROPE DIRECT Informationsbüros Aachen hielt in den Räumlichkeiten des Europäischen Klassenzimmers einen etwa einstündigen Vortrag für die Schulklasse des beruflichen Gymnasiums. Zu Beginn des Vortrags stellte Barbara Hamacher das EUROPE DIRECT Netzwerk vor und erzählte von der Arbeit des Informationsbüros in Aachen. Im Anschluss konnten die etwa 24 Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden und ihr Wissen bei einem Europa-Quiz unter Beweis stellen. Das Sieger-Team, das alle 10 Fragen richtig beantwortete, durfte sich einen Preis aussuchen.

Anschließend wurde den Schülerinnen und Schülern ein Überblick über die Geschichte der Europäischen Union und die Zuständigkeiten der verschiedenen EU-Institutionen gegeben. Mit kurzen Filmen wurden diese Themenbereiche näher veranschaulicht. Außerdem erfuhr die Schülergruppe mehr über die aktuellen Herausforderungen der EU, wie den wachsenden Nationalismus in einigen Mitgliedstaaten.

Schließlich konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen teilen, wie ihnen Europa im Alltag begegnet. Das Team von EUROPE DIRECT ergänzte dies mit weiteren konkreten Beispielen. Sinkende Telefonie- und Roamingkosten, europaweit geltende Fluggastrechte oder die Europäische Krankenkassenkarte waren nur einige der Beispiele, die dabei angesprochen wurden. Zum Schluss konnten die Schülerinnen und Schüler noch kostenloses Infomaterial mit nach Hause nehmen.

1 Niederländische Ratspräsidentschaft 300Die EU muss sich aktuell vielen Herausforderungen stellen, innenpolitischer wie außenpolitischer Natur. Die Niederländische Ratspräsidentschaft ist von diesen Herausforderungen deutlich geprägt worden. Wie haben sich diese Krisen ausgewirkt? Konnte die niederländische Ratspräsidentschaft etwas erreichen?

Mit 15 Zuhörern diskutierten Referent Siebo Janssen (Bonn) und Moderator Jochen Leyhe (Bonn) am Dienstag, 28. Juni, 90 Minuten über die turbulenten Zeiten der niederländischen Ratspräsidentschaft im sogenannten Europäischen Klassenzimmer im Grashaus.

Drei Themen prägten die Ratspräsidentschaft der Niederlande, die im Januar 2016 begann: Terrorismusbekämpfung, das Verhältnis zwischen Russland, der Ukraine und der EU sowie natürlich der Ausstieg der Großbritanniens, der kurz vor dem Ende der Ratspräsidentschaft Wirklichkeit wurde. Um die Zeit der niederländischen Ratspräsidentschaft zu verstehen, muss man sich auch mit der Innenpolitik der Niederlande beschäftigen, so Janssen. Noch bis vor wenigen Jahren waren die Niederlande eines der EU-freundlichsten Länder innerhalb der EU. Ihren Beginn kann man in der Abstimmung über den EU-Vertrag 2005 ablesen sowie im Aufstieg des Rechtspopulisten Gert Wilders. 2005 stimmte eine Mehrheit der Niederländer dem Vertragswerk nicht zu, dabei war man im Vorfeld von einer deutlichen Zustimmung ausgegangen. In der Abstimmung zeigten sich die Stärken des Populismus. Nach dem Referendum nahm die Regierung zum Teil die populistischen Ansichten auf und positionierte sich deutlicher EU-kritisch. Diese Haltung haben sich die Niederländer bis heute bewahrt. Ein weiteres Zeichen dafür ist die Abstimmung über das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine. Anfang 2016 stimmten die Niederländer in einem Referendum gegen das Abkommen. Obwohl behauptet wurde, dass man mit einem „Nein“ zum Vertrag die europäische Integration insofern stärken würde, als das man 2 Niederländische Ratspräsidentschaft 300Russland damit nicht vor den Kopf stoße, wurde schnell öffentlich verkündet, dass es um ein „Abstrafen“ der eigenen Regierung ging. Für viele Niederländer war dieses Argument eher der Grund für „Nein“ zu stimmen, als das Verhältnis der EU zu Russland. Das Assoziierungsabkommen war allerdings eines der Hauptziele der Ratspräsidentschaft. Dass gerade wegen eines Referendums im eigenen Land dieses Abkommen innerhalb der Amtszeit der Niederlande nicht zustanden kommen konnte, schmerzte ungemein. Durch die Dominanz gerade des Brexits sowie der Terroranschläge in Brüssel und Paris konnte die Ratspräsidentschaft auch ein weiteres Ziel maximal anstoßen, nicht aber umsetzten: die Verbesserung der gemeinsamen Polizeiarbeit und eine Stärkung Europols.

Betrachtet man die Niederlande und die Ratspräsidentschaft selbiger, kann man einige Dinge erkennen: Die Niederlande haben derzeit eine innenpolitische Krise der Populisten, die sich direkt auf die EU-Politik auswirkt.

Heftig diskutiert wurden darüber hinaus der Brexit im Vergleich zum angedachten Grexit, der Populismus in ganz Europa mit Blick auf die Niederlande und die Frage, wie man ihm begegnen kann. Auch das Ukraine-Assoziierungsabkommen wurde angesprochen.

16 06 08 Vorländer 3Mit einem spannenden Vortrag von Prof. Dr. Hans Vorländer, in dem der Professor von der TU Dresden insbesondere auf Teilnehmer, Hintergründe und Entwicklungen von Pegida einging, endete am 08.06.16 die Vortragsreihe "Populismus und Extremismus in Europa".

Nach der Begrüßung und einigen einführenden Worten von Prof. Dr. Friedrich Jaeger vom Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen schilderte Herr Vorländer den rund 110 Zuschauern zunächst die Entwicklung der Pegida-Demonstrationen in Dresden, die mit ca. 20 Teilnehmern begann und mittlerweile zu bestimmten Anlässen 15000-25000 Menschen mobilisieren kann und damit Ausmaße angenommen hat, die die Organisatoren zu Beginn selbst nicht erwartet hätten. Herr Vorländer und seine Mitarbeiter beschäftigen sich aktuell insbesondere mit dem Phänomen von Pegida und führten dazu zahlreiche Interviews mit Beteiligten durch, bei denen sie vor allem aufklären wollten, was für Menschen teilnehmen und aus welchem Grund sie dies tun. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen verglichen sie zudem ihre Erkenntnisse mit denen von vier weiteren Befragungen aus dem Jahr 2015.

Im Ergebnis zeigte sich, dass hauptsächlich Männer, die im Durchschnitt 46-47 Jahre alt sind und keine Religionszugehörigkeit angeben, sowie in der Regel Angestellte oder Arbeiter sind und einen relativ hohen Bildungsabschluss aufweisen, an den montäglichen Demonstrationen in Dresden teilnahmen. Als Grund für die Teilnahme gaben 71 % Unzufriedenheit mit der Politik, 34,5 % Kritik an Medien und Öffentlichkeit, 31,2 % Grundlegende Vorbehalte gegen Zuwanderer und Ausländer und 10,3 % Protest gegen religiös oder ideologisch motivierte Gewalt, an."Insgesamt zeigt sich, dass eine große Unzufriedenheit mit den Politikern und den Medien ursächlich sind", fasste Vorländer zusammen.

16 06 08 Vorländer 1Er nennt Pegida eine "rechtspopulistische Empörungsbewegung", die sich durch eine Gegenüberstellung "wir hier - ihr dort" identifiziere. Erstens auf der einen Seite der einfache Bürger und auf der anderen Seite die Politik und die Medien, zweitens stellen sie das "deutsche Volk" den Flüchtlingen und Migranten gegenüber. Dabei betonte er auch, dass im Hintergrund immer noch die Unterscheidung zwischen West- und Ostdeutschland stehe.

Herr Vorländer zeigt sich besorgt über die Bedeutung von Pegida und ähnlichen Bewegungen für die Demokratie: "Diese Entwicklungen gefährden und verändern die Demokratie, wie wir sie kennen, weil das Vertrauen der Bürger, dass essentiell für eine funktionierende Demokratie ist, wird hier unmittelbar und ganz zentral in Frage gestellt."

Erschwerend komme hinzu, dass durch transnationale Regime wie die Europäische Union aus Sicht dieser Menschen der Überblick darüber, wo Politik und Entscheidungen stattfinden, verloren geht. Dies führe zu einer zunehmenden Entfremdung und Distanzierung.

Zum Abschluss der Veranstaltung nutzten die Zuschauer die Gelegenheit, Fragen an Herrn Vorländer zu stellen, bei denen es insbesondere um die Forderungen von Pegida, Auswirkungen der Demonstrationen und mögliche Problemlösungsansätze ging.

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16 06 14 KulturepochenHeute erhielten 22 junge Erwachsene eines Fachoberschulabschlusslehrgangs am College der VHS Aachen erhalten einen Überblick über 3000 Jahre europäischer Kultur- und Baugeschichte.

Der 4-stündige Workshop einschließlich Stadtführung wurde moderiert und entwickelt von Frau Dr. Rita Darboven vom Aachener Bildungsbüro KreaScientia gGmbH. Die Veranstaltung wurde in enger Kooperation mit EUROPE DIRECT Aachen durchgeführt und finanziert.
Die 22 Teilnehmer im Alter von 18 bis 22 Jahren lernten heute zum Abschluss einer halbjährigen Unterrichtseinheit zum Thema „Europäische Union“ die faszinierende Kulturgeschichte Europas spielerisch kennenzulernen. Der Workshop fand zunächst im College der VHS Aachen statt. Im Mittelpunkt stand die Zeitkette „Europäische Kulturepochen“: Auf einer Zeitachse kombiniert mit zusätzlichen Spielkarten, Euro-Scheinen und Gegenständen aus den Bereichen Kunst, Technik, Lebensmittel und Persönlichkeiten wurden Entwicklungen und Zusammenhänge der europäischen Kultur- und Baugeschichte bildreich erarbeitet. Die Zeitkette - als interaktives Lernmedium angewendet - brachte bei den Teilnehmern eine ungeahnte Bandbreite an Allgemeinwissen hervor.
Im Anschluss wurde bei einem einstündigen Stadtspaziergang durch die Altstadt das Wissen angewendet und vertieft.
Die Teilnehmer (F3 A), die Weiterbildungslehrer (Frau Steinbach, Lehrerin im Kurs für Gesellschaftslehre, Frau Erim, Kursleiterin und weitere GL- und Kunstlehrer) und die sozialpädagogische Fachkraft des Kurses (Frau Baur) waren begeistert. Insbesondere die kreative, interaktive Lernmethode „Zeitkette“, die Erfolgserlebnisse für die Teilnehmer bereithielt und sie motivierte mit Konzentration und Interesse die gemeinsame europäische Kulturgeschichte zu erforschen, sorgte für eine gute Lernatmosphäre. Besonders positiv bewerteten Sie außerdem die persönliche Präsens und das pädagogische Geschick von Frau Dr. Rita Darboven, der es gelang, den Teilnehmern über lokale Bezüge ein Bewusstsein für die gemeinsame europäische Kulturgeschichte zu vermitteln.

01 Diehl 300Welcher Zusammenhang besteht zwischen modernen Massenmedien und Populismus? Diese Frage stellte sich Dr. Paula Diehl von der Humboldt-Universität in ihrem Vortrag im Rahmen der Reihe „Populismus und Extremismus in Europa“ am Dienstag, 07. Juni. 180 Zuschauer aller Altersgruppen lauschten gebannt Diehls Ausführungen zum Populismus und dessen Verbindungen zu den (modernen) Massenmedien.

Als äußerst interessant kristallisierte sich heraus, dass die Kommunikationstechniken, die der Populismus benutzt – unter anderem Komplexreduzierung, Tabubrüche und Dramatisierung – den Regeln der Massenmedien entsprechen. Das heißt: der Populismus schafft es, all die Regeln zu bedienen, nach denen Massenmedien funktionieren, ohne sich dafür ändern zu müssen.

Ebenso beleuchtete Diehl wie auch schon Prof. Frank Decker in seinem Beitrag vom 31. Mai, den Unterschied zwischen Populismus und Rechtspopulismus. Rechtspopulismus, so Diehl, sei eine Mischung aus Elementen des Populismus und Ideologemen des Rechtsextremismus. Ideologeme sind graduelle Phänomene einer Ideologie, ohne diese vollständig wiederzugeben. Rechtsextremistische Ideologeme wie beispielsweise die Vorstellung, dass es ethnisch-homogenes Volk existiere, die Ablehnung des pluralen Wertesystems sowie eine daraus resultierende Reduktion persönlicher und politischer Freiheiten. Ein wesentlicher Unterschied ist die Haltung des Rechtsextremismus zum politischen System: der Rechtspopulist, so Diehl, verstehe sich als Teil der politischen Mitte, die die (politischen) Eliten ablehnt, der Rechtsextremismus würde das politische System im Ganzen ablehnen.

02 Diehl 300Ein Problem der recht engen Verbindung von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus bestünde darin, dass Rechtsextremisten über den Weg des Rechtspopulismus ihre Ideologeme in die Mitte der Gesellschaft rücken könnten und dadurch an Einfluss gewinnen können. Gleichzeitig könne in der Mitte der Bevölkerung ein Gewöhnungseffekt eintreten. Aussagen, die vorher undenkbar waren, werden durch den Populismus salonfähig. Über den Rechtspopulismus finden so rechtsextreme Ansichten einen Platz in der Gesellschaft, ohne hinterfragt zu werden.

Diehl sieht im (Rechts)Populismus Gefahren für die Demokratie: es könne leicht zu einer Verschiebung des diskursiven Rahmens kommen, ein Gewöhnungseffekt bei eigentlichen Tabuthemen und Skandalen eintreten und etablierte Parteien würden in einem sich immer weiter drehenden Zyklus dem Rechtspopulismus nachgeben und rechtsextreme Ideologeme in ihre Politik aufnehmen.

Viel Diskussionsbedarf gab es im Anschluss, insbesondere wurde über die Rolle der Frau im Populismus diskutiert sowie die Frage der Verbindung von Massenmedien und Populismus auf den Prüfstand gestellt.

 

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