Sich anderswo auf der Welt für Menschen, Tiere und Umwelt einsetzen: An dieser Grundidee gibt es nichts auszusetzen. Trotzdem gerät der sogenannte Voluntourismus, also die Kombination aus Reisen und Freiwilligenarbeit, immer mehr in die Kritik. Zwar gibt es in Deutschland und Europa Anbieter mit ehrlichem Interesse daran, nachhaltig etwas im anderen Land zu bewirken. Leider aber auch solche, die in der Hilfsbereitschaft der Reisenden ein lukratives Geschäft sehen. Statt wirklicher Freiwilligenarbeit bieten sie überteuerte Urlaubsreisen an, die zusätzlich ein paar Arbeitsstunden in einem sozialen Projekt beinhalten. Oft sogar dann, wenn gar kein Bedarf an Helfern besteht. Das Europäische Verbraucherzentrum in Deutschland erklärt, worauf man achten sollte, bevor man sich für ein Programm entscheidet.

Staatliche oder kommerzielle Freiwilligenarbeit: Was ist der Unterschied?

Auf der einen Seite gibt es den staatlich organisierten Freiwilligendienst. In Deutschland zum Beispiel den Bundesfreiwilligendienst, den man auch im Ausland absolvieren kann. Oder den Europäischen Freiwilligendienst. Die Programme sind staatlich finanziert und verpflichten sich zu gesetzlich festgelegten Standards wie eine pädagogische Betreuung der Freiwilligen. Die Aufenthalte dauern zwischen sechs Monate und zwei Jahre. Freiwillige müssen sich bewerben und ihre Vorkenntnisse und Kompetenzen werden berücksichtigt (zum Beispiel Erfahrung im Umgang mit Kindern). Außerdem gibt es vorbereitende Trainings.

Demgegenüber stehen die kommerziellen Anbieter. Auf den ersten Blick bieten sie Vorteile: Die Mindestdauer ist flexibler und beginnt oft schon bei zwei Wochen. Jedoch ist zu beachten, dass gerade im sozialen Bereich ein längerer Aufenthalt empfehlenswert ist, da ständig wechselnde Bezugspersonen besonders für Kinder oder ältere Menschen belastend sein können. Ob und wie Teilnehmende vorher geprüft werden, obliegt dem Veranstalter. Dies kann dazu führen, dass Volunteers für Tätigkeiten eingesetzt werden, für die sie nicht geschult sind. Gerade durch die kommerziellen Anbieter wurde der in die Kritik geratene Begriff Voluntourismus (= Volunteering + Tourismus) oder auch Volunteer Tourism geprägt. Diese Form der Urlaubsreise mit integrierter Freiwilligenarbeit befriedige lediglich den Wunsch der Reisenden, zu helfen. In Wahrheit passiere aber das Gegenteil.

Das Problem mit dem Voluntourismus

  • Undurchsichtige Preise: Oft sind die Reisen teurer als eine Urlaubsreise an den gleichen Zielort. Man erhält den Eindruck, das zusätzliche Geld würde den Menschen vor Ort zugutekommen. Ob dem wirklich so ist, ist meist schwer nachzuvollziehen.
  • Kein Bedarf an Helfern: Da das Interesse des Anbieters kommerziell ist, kommt es ihm weniger darauf an, ob gerade wirklich helfende Hände gebraucht werden. Deshalb wird oft auch dann in Freiwilligenprojekte vermittelt, wenn gar kein Bedarf besteht. Das kann der Bevölkerung vor Ort zusätzliche Arbeit machen. Auch für die Reisenden ist das Gefühl, überflüssig zu sein, unangenehm.
  • Konkurrenz zu lokalen Arbeitskräften: In einigen Fällen gibt es ausreichend Hilfskräfte vor Ort. Als Volunteer läuft man also Gefahr, der lokalen Bevölkerung unwissentlich Arbeitsplätze wegzunehmen.
  • Kurze Aufenthaltsdauern: Staatliche Freiwilligendienste sind bewusst auf mehrere Monate bis ein oder zwei Jahre angelegt. Sowohl für die Freiwilligen selbst als auch für die Menschen vor Ort ist die Erfahrung so nachhaltiger. Bei Projekten mit Kindern oder Senioren können ständig wechselnde Bezugspersonen kontraproduktiv sein. Außerdem kann die eigene Arbeitskraft auf einen längeren Zeitraum effektiver eingesetzt werden (Stichwort Einlernphase).
  • Kaum Eignungsprüfung: Es gibt keine Standards für die Auswahl von Helfenden. Jeder kommerzielle Anbieter kann selbst festlegen, welche Bedingungen er an die Volunteers stellt. Das kann dazu führen, dass Laien für Tätigkeiten eingesetzt werden, für die sie nicht geschult wurden (beispielsweise Kinder mit Handicap betreuen, ein Haus bauen oder medizinische Aufgaben).

Das Europäische Verbraucherzentrum in Deutschland liefert wichtige Tipps zur Suche nach dem passenden Freiwilligenprogramm und zeigt Alternativen auf.

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