Prävention, Investitionen und Reformen im Gesundheitswesen bringen wirtschaftlichen Wohlstand
Europa benötigt dringend innovative und widerstandsfähige Gesundheitssysteme, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Das geht aus einem Bericht hervor, der im Rahmen des periodisch durchgeführten Zyklus´„Gesundheitszustand in der EU“ veröffentlicht wurde. Neben dem Bericht wurden auch Länderprofile veröffentlicht, die Ergebnisse zu Deutschland finden Sie weiter unten.
Prävention, Innovationen, neue Therapien
EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi bezeichnete die Berichte als klaren Weckruf: „Nicht übertragbare Krankheiten – wobei Herzerkrankungen den größten Anteil haben – sind nach wie vor die Hauptursache für vermeidbare Krankheiten und Todesfälle. Wir sehen auch besorgniserregende Trends bei jungen Menschen, mit steigender Fettleibigkeit bei Kindern und zunehmendem Konsum von E-Zigaretten, die Einzelpersonen und Gesundheitssysteme belasten. Starke und innovative Gesundheitssysteme sind für das Wirtschaftswachstum und die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU von wesentlicher Bedeutung. Wir müssen jetzt handeln – Prävention und Primärversorgung stärken, Innovationen fördern und allen Patientinnen und Patienten neue Therapien anbieten. Aus diesem Grund legen wir nächste Woche ein Biotech-Gesetz vor, mit dem die Arzneimittelreform sowie das Gesetz über kritische Arzneimittel vorangetrieben wird, demnächst wird auch ein EU-Plan für kardiovaskuläre Gesundheit vorgelegt.“
Zentrale Herausforderungen für die Reform des Gesundheitssystems
Der Bericht benennt vier Bereiche, in denen Verbesserungen erforderlich sind:
- Prävention nicht übertragbarer Krankheiten (etwa Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen): Im Jahr 2022 hätten mehr als 725.000 Todesfälle verhindert werden können. Sie betreffen zunehmend jüngere Bevölkerungsgruppen. Angesichts der rund 62 Millionen Menschen, die in der EU mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen leben, wird die Kommission auch in diesem Jahr einen EU-Plan für kardiovaskuläre Gesundheit vorlegen, der auf Diabetes und Fettleibigkeit, insbesondere bei jüngeren Generationen, abzielt. Um der Bedrohung durch nichtübertragbare Krankheiten im weiteren Sinne zu begegnen, hat die Kommission den europäischen Plan zur Krebsbekämpfung sowie die Initiative „Gesünder zusammen“ ins Leben gerufen und unterstützt die Mitgliedstaaten und Gesundheitsorganisationen mit Mitteln aus dem Programm EU4Health
- Beschleunigung des digitalen Wandels im Gesundheitswesen: Vor dem Hintergrund von COVID-19 und unterstützt durch den Europäischen Raum für Gesundheitsdaten (EHDS) hat die EU den digitalen Wandel im Gesundheitswesen erheblich beschleunigt. Die Investitionen in gesundheitsbezogene IKT sind seit 2015 um etwa 30 Prozent gestiegen, um auf die steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen zu reagieren und Innovationen und hochqualifizierte Arbeitsplätze im Gesundheitstechnologiesektor zu fördern. Alle Mitgliedstaaten gewähren nun Zugang zu elektronischen Patientenakten, und Investitionen in elektronische Verschreibungen, KI-Integration und digitale Governance werden ausgeweitet, unter anderem durch eine Unterstützung von über 14,5 Milliarden Euro aus der Aufbau- und Resilienzfazilität, EU4Health und anderen EU-Finanzierungsprogrammen.
- Stärkung der Grundversorgung: Die Primärversorgung in der EU steht vor Herausforderungen wie der steigenden Nachfrage im Zusammenhang mit einer alternden Bevölkerung, chronischen Krankheiten, Arbeitskräftemangel und unzureichenden Investitionen. Im Jahr 2024 meldete mehr als ein Drittel der europäischen Erwachsenen (35 Prozent) ein seit langem bestehendes Krankheits- oder Gesundheitsproblem.
- Förderung eines erschwinglichen Zugangs zu Arzneimitteln und Innovation: Im Jahr 2023 machten pharmazeutische Arzneimittel rund 60 Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben und 13 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in der EU aus. Angesichts steigender Arzneimittelpreise und steigender Nachfrage haben die Mitgliedstaaten zwischen 2020 und 2025 wichtige Arzneimittelreformen durchgeführt, um den Zugang zu und die Erschwinglichkeit von Arzneimitteln zu verbessern. die mit der Reform der Arzneimittelvorschriften der EU und der Verordnung über die Bewertung von Gesundheitstechnologien in Einklang stehen und durch diese unterstützt werden.
Ländergesundheitsprofile
Neben dem Bericht werden auch 29 Ländergesundheitsprofile veröffentlicht, die die neuesten Entwicklungen bei Gesundheitstrends und Gesundheitssystemen in allen EU-Ländern sowie in Island und Norwegen behandeln. Sie bewerten die Stärken und Schwächen unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes und der Besonderheiten jedes EU-Landes.
Ländergesundheitsprofil Deutschland – wichtigste Ergebnisse
- Die Lebenserwartung bei der Geburt ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren langsam gestiegen. Nach einer Delle während der COVID-19-Pandemie lag sie 2024 mit 81,5 Jahren über dem Niveau vor der Pandemie und erreichte damit fast den EU-Durchschnitt.
- Häufigste Todesursachen (zusammen mehr als die Hälfte der Fälle): Kadiovaskuläre Erkrankungen wie ischämische Herzerkrankungen und Schlaganfälle sowie Krebs.
- Risikofaktoren: Deutsche Erwachsene rauchen weniger, trinken mehr und sind häufiger übergewichtig als der EU-Durchschnitt. Sowohl das Rauchen als auch der Alkoholkonsum sind in der erwachsenen Bevölkerung zurückgegangen, bei Jugendlichen hingegen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Wie in anderen Ländern sind auch in Deutschland Verhaltensrisikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht bei Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad häufiger anzutreffen.
- Gesundheitsausgaben: Mit pro Kopf 5.414 Euro im Jahr 2023 sind die Gesundheitsausgaben in Deutschland die höchsten in der EU. 86 Prozent der Gesamtgesundheitsausgaben stammen aus öffentlichen Mitteln. Die privaten Gesundheitsausgaben bestanden zum größten Teil aus Selbstzahlungen, die mit 11 Prozent der Gesamtgesundheitsausgaben deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 16 Prozent lagen.
Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems:
- Wirksamkeit: Im Jahr 2022 gab es in Deutschland 83 durch Behandlung und 165 durch Prävention vermeidbare Sterbefälle pro 100 000 Einwohner. Insgesamt ist die vermeidbare Sterblichkeit in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen, die durch Prävention vermeidbare Sterblichkeit ist aufgrund von COVID-19-Todesfällen ist leicht gestiegen. Beide Werte liegen weiterhin unter dem EU-Durchschnitt.
- Zugänglichkeit/ungedeckter medizinischer Bedarf: Im Jahr 2024 gaben 1,2 Prozent der Deutschen mit medizinischem Versorgungsbedarf an, dass sie aus finanziellen Gründen, aufgrund langer Wartelisten oder aufgrund der Entfernung zu einer medizinischen Untersuchung auf medizinische Versorgung verzichtet hatten. Dieser Anteil liegt unter dem EU-Durchschnitt von 3,6 Prozent.
- Resilienz: Die Digitalisierung ist ein wichtiger Baustein für den Aufbau eines widerstandsfähigen Gesundheitssystems. Der Anteil der Deutschen, die Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen, um online nach Gesundheitsinformationen zu suchen und Arzttermine zu vereinbaren, ist seit 2020 stark gestiegen. Es gab aber nur einen geringen Anstieg beim Anteil derjenigen, die online auf Gesundheitsakten zugreifen, trotz der Bemühungen um die Entwicklung eines Systems, elektronische Gesundheitsakten zu nutzen
- Fokus Arzneimittel: Im Jahr 2023 gab Deutschland 743 Euro pro Kopf für Arzneimittel in Apotheken aus – der höchste Betrag in der EU. Die Ausgaben für Arzneimittel machen etwa 14 Prozent der Gesamtgesundheitsausgaben aus. Deutschland ist einer der größten Investoren in die pharmazeutische Forschung und -entwicklung in der EU und investiert hohe Summen in diesen Bereich.
Hintergrund
Der Zyklus „Gesundheitszustand in der EU“ ist eine Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission, der Gesundheitsabteilung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Europäischen Beobachtungsstelle für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik (die Beobachtungsstelle), die 2016 von der Kommission ins Leben gerufen wurde und aus dem Programm EU4Health finanziert wird. Ziel ist es, aktuelle Daten und eingehende Analysen zu Gesundheit und Gesundheitssystemen zu sammeln und die Informationen den Interessengruppen leicht zugänglich zu machen.
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